Milch – ungesund oder notwendiger Powerdrink?

Was ist Milch überhaupt und wozu ist sie da? Ist Kuhmilch aus ganzheitlicher Sicht gesund? Die Schweiz ist das Milch-Land schlechthin. Denn kaum ein anderes Land ist für Milchprodukte wie Käse, Schokolade und so weiter, so berühmt. Hierzulande werden jährlich pro Kopf etwa 22 Kilogramm Käse verputzt und über 50 Kilogramm Milch getrunken. Wer sich für die genauen Zahlen interessiert, kann hier oder hier, die offiziellen Statistiken einsehen. Aber mal der Reihe nach…

Was ist Milch und wozu ist sie da?

Milch ist und bleibt Säuglingsnahrung. Kühe, Schafe, Ziegen und auch Menschen sind Säugetiere, welche ausschliesslich dann Milch produzieren, wenn sie einen Säugling zu ernähren haben. Sprich: Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie kürzlich gekalbt hat. Sobald das Kalb ausgewachsen ist, gibt sie keine Milch mehr. Auch wir Menschen trinken nur als Babys die Milch der Mutter. Wir sind die einzige Spezies auf diesem Planeten, die im Erwachsenenalter Milch konsumiert. Und obendrauf dafür ein anderes Lebewesen systematisch ausbeutet und misshandelt.

Damit Kühe das ganze Jahr über Milch produzieren, müssen sie jedes Jahr ein Kalb gebären. Ansonsten würde der Milchfluss nach 8-12 Monaten, natürlicherweise eingestellt werden, wenn das Kalb beginnt zu weiden. Damit nun eine Kuh konstant Milch hergibt, wird sie in einem Produktionsbetrieb jährlich künstlich befruchtet. Das Kalb wird meist direkt nach der Geburt von seiner Mutter getrennt. Den weiblichen Kälbern blüht dasselbe Schicksal als Produktionsmaschine wie ihren Müttern. Die männlichen Kälber vieler Milchkuhrassen sind hingegen weit verbreiteter Gerüchte, für die Industrie uninteressant. In vielen Betrieben werden sie getötet und entsorgt. Lese hier mehr dazu.

Es gibt also (bio)logisch gesehen keinen Grund, nach dem Säuglingsalter weiterhin Milch und Milchprodukte zu konsumieren.

Milch für starke Knochen

Hat doch jeder schon mal gehört, oder? Milch enthält viel wichtiges Calcium und das sorgt für starke Knochen. Das stimmt soweit auch. Jedoch ist es wichtig zu wissen, dass es sich bei Calcium um ein Mineralstoff handelt. Dieser wird nicht vom Organismus gebildet und muss über die Nahrung aufgenommen werden. Mineralstoffe sind anorganische Stoffe und kommen im Boden, im Erdreich vor. Von dort aus gelangen sie in die Pflanzen, die wir dann essen und so z.B. Calcium aufnehmen. Auch Kühe nehmen das Calcium aus dem Boden über die Pflanzen auf.

Kein Säugetier der Welt, deckt seinen Calciumbedarf im ausgewachsenen Stadium über Milch, nur der Mensch.

Und eines dürfen wir nicht vergessen: Dass wir hier vom konzentrierten Lebenssaft, eines 500 Kilogramm schweren Tieres mit 4 Mägen sprechen! Der ist in erster Linie darauf ausgelegt, ein Kälbchen innert Monaten fast das zwanzigfache seines Gewichts zunehmen zu lassen. Durch die Massentierhaltung, die auch in der Schweiz, Österreich und Deutschland durchaus Realität ist, gelangen zudem Rückstände von Medikamenten oder chemischen Futterzusätzen in die Milch. 

  • Wachstumshormone 
  • fast ausschliesslich gesättigte Fettsäuren
  • Transfettsäuren 
  • Phosphor (senkt die Aufnahmefähigkeit von Calcium, wodurch das in der Milch enthaltene Calcium nicht optimal genutzt werden kann)
  • Lactose (wogegen weltweit rund 75 % aller Erwachsenen intolerant sind)
  • Antibiotika
  • Eiter und Blut (durch entzündete Euter, aufgrund der Massenproduktion)

Dies sind einige der Stoffe, die einerseits natürlicherweise aber auch haltungsbedingt in Kuhmilch zu finden sind. Wie wir sehen, ist Milch ein Gesamtprodukt. Es ist nicht möglich, nur das knochenstärkende Calcium mit der Milch aufzunehmen. Alle anderen enthaltenen Stoffe nehmen wir beim Konsum mit auf.

Aus ernährungsberaterischer Sicht, ist das Verzehren von tierischen Milchprodukten für den menschlichen Organismus ungesund.

Vom Lebewesen zur Ware

Die Milchverarbeitungsindustrie wirft prozentual den höchsten Umsatz der gesamten Lebensmittelindustrie in der Schweiz ab. Hierzu eine Studie der Zürcher Hochschule.

Rohmilch, also unverarbeitete Milch direkt vom Bauern, wird auch in der Schweiz kaum noch getrunken. Sie ist nicht lange haltbar und rahmt auf. Daher wird die Rohmilch in verschiedenen Arbeitsschritten pasteurisiert und homogenisiert oder zu anderen Milchprodukten weiterverarbeitet. Somit gehören sowohl die Trinkmilch als auch alle anderen Milchprodukte zu den industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Und wie das in der Industrie so ist, steht an erster Stelle die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Das romantisierte Bild, der Schweiz, mit glücklich weidenden Kuhherden und dem Bauern, der das Wohl der Tiere über alles stellt, muss der Realität weichen. Hier ein Artikel der Handelszeitung zum Milch-Irrsinn in der Schweiz.

Trotzdem die Zahl der Milchkühe von Jahr zu Jahr sinkt (ca. 560’000 Tiere sind es zurzeit in der Schweiz), wird immer mehr Milch produziert. Das ist aber kein Wunder, sondern Hochleistungsproduktion, Marktwirtschaft – schlicht Kapitalismus. Aus dem Tier ist eine Ware geworden. Dies führt dazu, dass Milchkühe in der Schweiz durchschnittlich nach 4 Zyklen (Laktationen) im Alter von 6.5 Jahren ausrangiert werden. Tendenz sinkend. Mangelnder Auslauf, zu enge Ställe, Enthornung, Euterentzündungen und, nach wie vor, der elektrische Kuhtrainer, schlagen diesen sanften Tieren, die sich kaum gegen die Qualen wehren, heftig aufs Gemüt. Was sowohl die Fruchtbarkeit als auch die Lebenserwartung zusätzlich einschränkt. Dies ist eine sehr lesenswerte Publikation des Schweizer Tierschutzes.

Kühe sind als Herdentiere von Natur aus sehr soziale Wesen. Zudem kennen sie ganz klar Gefühle wie Freude, Angst, Schmerz und sie haben einen Mutterinstinkt. Wer schon einmal Bilder von einer Kuh und ihrem Kalb bei der Trennung gesehen hat, weiss ganz genau, wie herzzerreißend solche Szenen sind. 

Aus all diesen Gründen ist für mich der Konsum von Milchprodukten ethisch und moralisch nicht vertretbar.

Weil es immer schon so war

Wir trinken Milch und essen Käse, weil das „immer“ schon so war. Unsere Eltern, Großeltern und deren Vorfahren haben Milchprodukte konsumiert. Zudem bewirbt die Werbung in den Mainstream-Medien Kuhmilch als gesund. Diese Werbung dient lediglich dazu, so viele Milchprodukte wie möglich zu verkaufen. Nicht mehr und nicht weniger. 

Nur weil etwas Tradition ist oder zur Kultur gehört, heisst das nun noch lange nicht, dass es keinen Schaden anrichtet. Denn letztendlich räumen wir als Konsumenten ein, für den eigenen Genuss, eine komplette Spezies ihrer natürlichen Rechte als Lebewesen auf diesem Planeten zu berauben. Nur weil es schon immer so war? Das funktioniert für mich nicht. Und Leute, ihr dürft alles hinterfragen. Sprecht mit anderen, schaut YouTube-Videos und geht mit Herz und Hirn durchs Leben.

Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir gerne in die Kommentare. Hier geht’s zu meinem Rezept für selbstgemachte vegane Milch. Viel Spass beim ausprobieren.

 

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